Baños – Tag 1

Nachdem ich nach der gestrigen Busfahrt so müde war, schlief ich ganz gut. Aber die Hoffnung, dass mir heute morgen nichts mehr weh tun würde, erfüllte sich nicht. Ich bin heute morgen zuerst einmal frühstücken gegangen und dann habe ich einen Abstecher in die hiesige Kirche gemacht. Der Ort heißt vollständig Baños de Agua Santa (=Bäder des heiligen Wasser). Im Ort wird die Virgin de Agua Santa (=Jungfrau des heiligen Wassers) verehrt und die Kirche ist dieser Jungfrau gewidmet. Die Kirche selbst ist nichts besonderes, aber an den Wänden hängen große Gemälde von den Momenten, an dem die Jungfrau glücklicherweise da war und geholfen hat, dass nichts passiert. So stürzte am 1.Oktober 1923 ein gewisser José M. Perez als sein Pferd direkt auf einer Brücke über den Fluss Pastaza strauchelte in den Fluss. Da die Jungfrau half, stieg er unbeschadet aus dem Fluss. Ähnliche Hilfe von der Jungfrau erhielt Raymundo Padilla, der im April 1918 beim Bau einer Brücke in den Fluss stürzte und auch unverletzt blieb. Oder auch Paulino Gavilanes bliebt im Juni 1889 unverletzt, als das Seil seiner Seilbahn über den Fluss riss und er in den Fluss fiel. Zwei Mal half die Jungfrau bei Bränden in Guayaquil, wo jedesmal die Häuser verschont wurden, in denen um die Hilfe der Jungfrau gebetet wurde. Dies war in der Nacht vom 5. auf 6.Oktober 1896 und am 15.März 1980. Dies waren jetzt nur fünf Beispiel. In der Kirche hängen noch mehr Bilder.

Ich bin dann heute etwas in der näheren Umgebung von Baños unterwegs gewesen. Im Süden grenzt direkt an Baños ein Berg, der den Ort um ca. 700m überragt, dahinter ist dann der Vulkan Tungurahua, den man vom Ort selbst nicht sieht. Vom Ort kann man über verschiedene Wege diesen Berg erklimmen und zu drei Aussichtspunkten gehen, von denen man einen Blick auf Baños und auf den Vulkan hat. Dies habe ich heute gemacht, aber da es recht bewölkt war, war klar, dass ich den Vulkan nicht sehen würde. Ich lief also zuerst zum Mirador La Cruz Bellavista. Der Weg war steil und führte auch durch Obstplantagen. Es gab immer wieder schöne Blicke auf Baños. Dann ging es zum Café de Cielo, welches etwas unterhalb des Örtchen Runtun liegt. Leider war das Café noch nicht geöffnet, denn vom Café hat man durch große Fenster einen tollen Blick auf Baños und da hätte es sicher einen Kaffee und einen Kuchen für mich gegeben. Aber so lief ich weiter und gerade hatte es zu nieseln begonnen. Nieselregen und Sonne wechselten sich heute ab, dabei war es aber den ganzen Tag warm. Ich ging zum Mirador Virgin, wo eine große Statue der Jungfrau aufgestellt ist. Von dort sah ich schon mein nächstes Ziel, das Thermalbad El Salado. Ich musste aber zuerst zurück in den Ort, um dann einen anderen Weg zum Thermalbad zu nehmen. Der gerade beschriebene Rundgang wird überall mit drei Stunden angegeben. Man schafft dies auch in zwei Stunden. Ich bin dabei nicht gehetzt und habe noch genügend Zeit gehabt die ganzen Blumen am Wegesrand zu sehen und teilweise zu fotografieren. Das Thermalbad El Salado liegt ca. 15 Minuten Fußweg von Baños entfernt. Lt. Lonely Planet und einer Deutschen aus Erfurt, die ich heute hier getroffen habe und die hier in Baños lebt, ist dieses Thermalbad das beste Thermalbad in Baños. Der Eintritt kostet 3 USD und man muss eine Badekappe aufsetzen. Diese Badekappe kann man für 0,30 USD mieten. Das Thermalbad hat vier warme und zwei kalte Becken. Man braucht nicht die Fußspitze in die Becken zu halten, um festzustellen, welches Becken warm oder kalt ist. Da das warme Wasser vom Vulkan so reich an Mineralien ist, ist es nicht glasklar sondern eine braune Brühe. Es sieht wirklich nicht so super aus, aber das Wasser ist nicht schmutzig. Es gibt ein Becken mit richtig heißem Wasser. Außerdem gibt es Massageduschen mit warmen und mit kaltem Wasser. Ich war dann im heißen Becken, bin zur Abkühlung ins kalte Becken und habe mich dann unter die heiße Massagedusche gestellt. Meinem Rücken und meinen Knien taten das Thermalbad gut. Auch meine drei Finger an der rechten Hand, die etwas zu viel Kälte bei der Besteigung des Chachani abbekommen haben, ging es wieder ein Stückchen besser nach dem Thermalbad. Ich blieb nicht ewig im Thermalbad, sondern bin nach ca. einer Stunde wieder gegangen. Ich hatte Hunger und wollte eine Pizza essen, aber die Pizzeria war noch geschlossen. So gab es erst einmal nur ein Sandwich, ein Kaffee und ein Eis. Zurück im Hostel bezog ich mein neues Zimmer. Ich hatte gestern ein Einzelzimmer mit vier Betten bekommen, was ich ja wirklich nicht brauchte und heute wurde ein kleineres Einzelzimmer frei und so gab es heute ein neues Zimmer für mich. Direkt neben meinem Hostel gibt es einen Friseur und da die Spitzen meiner Haare wieder einmal geschnitten werden sollten, bin ich dann heute auch gleich noch zum Friseur. Im Friseursalon lief ein Fernseher mit einer dieser Soaps, die überall laufen. Zwei Kundinnen schauten gespannt auf den Fernseher und ihre Körpersprache verriet, dass sie das Geschehen, es wurde gerade jemand entführt, intensiv verfolgen. Ein älterer Herr bekam gerade einen neuen Haarschnitt und dann kam ich schon dran. Die Haare konnten nur mit kaltem Wasser gewaschen werden. Danach ging das Abschneiden der Spitzen meiner Haare ganz schnell, dabei sah ich, dass auch die Friseurin immer wieder auf den Fernseher schaute und die Soap verfolgte. Keine 20 Minuten später waren die Haare geschnitten. Ich bezahlte 2,50 USD. Zum Abendessen bekam ich dann auch noch eine Pizza.

Hasta mañana Birgit